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Erfahrungsbericht zum PNP RegioWiki

Dr. Imme Oldenburg, PNP-Online-Redaktion, Neue Presse Verlags-GmbH
2009-02-17: 16:00 - 16:30

Interview mit Referenten

1.) Guten Tag Frau Oldenburg. Können Sie Ihren Erfahrungsbericht zum RegioWiki Niederbayern&Altötting in drei Stichworten zusammenfassen?

Neue Wikiautoren aus der Region zu generieren ist ein mühsamer und zeitaufwändiger Prozess – kein Selbstläufer. So groß die Zustimmung aller angesprochenen Institute, Gemeinden, Archive etc bezüglich des RegioWikis auch ist, bleibt es doch vielfach nur bei dem großen Lob an den Verlag, dass er die Aufgabe übernimmt, endlich regionales Wissen zu bündeln und allgemein zugänglich zu machen. Die Kapazitäten, selbst im RegioWiki aktiv zu werden, fehlen dann aber doch meist. Der Verlag muss eine klare Strategie entwickeln, wer im Hause das Wiki pflegt, bis es irgendwann in weiten Bereichen ein Selbstläufer werden kann. Wenn ein Verlag sich nicht klar zu seinem Wiki bekennt und entsprechende hausinterne Weichen stellt, wird das RegioWiki sich nicht etablieren, wenig zu bieten haben und dann eher ein schlechtes Licht auf den Verlag werfen. Die Stichpunkte wären also: 1. Kein Selbstläufer, 2. Klare Verlagsstrategie notwendig, 3. Resonanz aus der Region überdurchschnittlich positiv.

 

2.) Was ist der wesentliche Gegenstand der Inhalte des RegioWikis?

Ein RegioWiki ist keine Konkurrenz zur Wikipedia, sondern eine Ergänzung im Bereich der lokalen Themen (Regional bekannte Persönlichkeiten, Vereine, Kunstdenkmäler bis runter zur Reliquie in einer Kirche, etc.). Und es wird in der Aufbauphase schonender mit seinen Autoren verfahren müssen, als in der großen Wikipedia üblich, wo Artikel, die nicht formal und inhaltlich auf höchstem Niveau stehen, schnell als Löschantrag enden. Der Qualitätsanspruch muss zwar da sein, aber sehr gemäßigt an die meist ungeübten neuen Autoren herangetragen werden. Der Zeitaufwand für den persönlichen Betreuungsaufwand einzelner Wikiautoren ist nicht zu unterschätzen, aber eine gute Investition in die Zukunft des RegioWikis.

 

3.) Wo stehen wir beim Thema Regio-Wikis in Deutschland – im Vergleich zu anderen Ländern?

Das kann ich nicht beurteilen, da ich anderssprachige Wikis nicht mitverfolge. Der allgemeine Eindruck ist jedoch, dass der deutschsprachige Raum bei RegioWikis hervorragend vertreten ist. Zumindest zahlenmäßig; bei genauerer Betrachtung sind aber nicht alle lokalen Wikis „gesund“, sondern dümpeln ungepflegt vor sich hin.

 

4.) Das Thema Regio-Wikis wird ja in Deutschland sowohl von kommunalen Initiativen als auch von lokalen Medienhäusern vorangetrieben. Welchen Vorteil bieten die Regio-Wikis für Verlage und können sie sich langfristig durchsetzen?

Der Verlag weist sich mit einem RegioWiki eindeutig als DIE regionale Kompetenz für Wissensfragen aus. Mit einem hauseigenen Regionallexikon kommt langfristig die gesamte Bevölkerung mit der Regional-Zeitung in Berührung. Abonnenten sehen sich in der Wahl ihrer Tageszeitung durch ein gut gepflegtes RegioWiki bestätigt und Nichtabonnenten lernen langfristig den Verlag und sein Angebot zu schätzen. Besonders wichtig sind in diesem Zusammenhang Jugendliche, deren Erstkontakt mit der lokalen Tageszeitung über das RegioWiki sehr positiv gesteuert werden kann. An dieser Stelle können Verlage die Chance wahrnehmen, Schülern Medienkompetenz zu vermitteln. (Stichwort PNP-Projekt „Wiki macht Schule“)

 

5.) Wie sehen Sie die Entwicklungen von Regional-Wikis für 2009?

Sehr positiv. Während es für private Initiativen schwer ist Wikis in der Öffentlichkeit zu präsentieren, sind Verlage dafür prädestiniert, Wikis aufzubauen. Das Wissen ist vorhanden, da die Redakteure täglich Recherchearbeit leisten und über einen nicht enden wollenden Fundus an Wissen, Fakten und Daten verfügen. Langfristig wird es zunehmend zu Fusionen zwischen Privat- bzw. Kommunalwikis und Verlagswikis geben. Keinesfalls darf es zu konkurrierenden regionalen Wikis kommen, da dies der Grundidee eines Wikis widerspricht. (Stichwort PNP-RegioWiki-Fusion mit einem bestehenden Stadtwiki)

 

 

Dr. Imme Oldenburg

PNP-Online-Redaktion, Neue Presse Verlags-GmbH