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23.-25.03.2010, Hamburg
Social Media FORUM

Social Media FORUM

Social Media Strategien in Medienunternehmen - wer macht was?

Falk Lüke, Redakteur, Zeit.de
2007-09-20: 09:30 - 10:00

Interview mit Referenten

1) Hr Lüke, Sie haben an einer kollaborativen Studie über die Service-Angebote von Zeitungsverlagen im Internet mitgewirkt und werden uns beim Social Media FORUM einen detaillierten Überblick zu den Studienergebnissen geben. Was können wir erwarten bzw. welche drei Schlagworte beschreiben Ihren Beitrag?

Die ersten beiden Schlagworte sind: Desinteresse und Ignoranz. Denn das ist, was die meisten Tageszeitungen dem Internet bis zum letzten Jahr entgegenbrachten. Das dritte Schlagwort ist: Fehlentwicklungen. Es gibt einige Beispiele für sehr interessante Ansätze in Deutschland, aber wer sich Wunder vom Internet verspricht, der lässt am Ende nur Verwunderung zurück.

2) Im Zusammenhang von Web 2.0-Konzepten und ihrer Anwendung im Rahmen von Medienkonzepten spricht John Battelle auch von "Conversational Media" (Medienformate, deren Ziel es ist, ständig den Diskurs mit ihrer Leserschaft über publizierte Informationen zu erzielen). Ist dieser Ansatz bzw. diese Ausrichtung bei den von Ihnen untersuchten Titeln bereits angekommen?

Es gibt einige Beispiele dafür, wie man sich eine starke Site-Leser-Bindung aufbauen kann. Ob das immer anhand von publizierter Information oder vielleicht auch anhand von anderen Beispielen erfolgt, werde ich am 20. gerne zeigen.

3) Sie waren nicht nur Teil der Studie, sondern sind auch "Blog-Redakteur" bei der ZEIT, wo ja genau ein solch "dialogorientierter" Ansatz in Ihrem Bereich verfolgt wird. Warum geht das bei der ZEIT und nicht bei anderen Verlagshäusern?

Ich denke dass das durchaus auch bei anderen Verlagshäusern möglich ist - wir bei ZEIT/ZEIT online sind natürlich in der besonders glücklichen und zugleich besonders schwierigen Lage einer besonderen Nutzergruppe - viele sind Akademiker und wissen sich gewählt auszudrücken, sind Fachleute im jeweiligen Spezialgebiet und so können dann auch niveauvolle Dialoge entstehen, die für alle Beteiligten - auch die Redakteure - wertvollen Mehrwert bieten.

4) Welche Effekte kann die Zeit aus Ihrer Aktivität bereits verbuchen? Schafft ein solcher Ansatz eine Leserbindung?

Wie alle Publikationen sind auch wir im Netz momentan mit neuen Dingen beschäftigt, die möglichst gut zu älteren passen sollten.

5) Wo sehen Sie die Zukunft von Verlagen im Internet?

In qualitativ hochwertigem, manchmal auch Audio- oder Video-Journalismus mit hochwertigen Inhalten. In der aktiven, aber auch realistischen Beschäftigung mit den neuen journalistischen Formen, die das Internet ermöglicht, mit den neuen Partizipationsformen, die das Internet ermöglicht - und mit intelligenten Antworten auf Fragen neuer Distributionstechniken wie RSS. Die Hauptaufgabe für etablierte Medien bleibt, bewusst und verantwortungsvoll mit ihren starken Markennamen umzugehen und sie nicht durch Unterfinanzierung im Netz zu verwässern. Online ist nicht billig - aber die Zukunft.

Im Übrigen gilt das Zitat von Arthur J. Sulzberger, dem NYT-Herausgeber: »I really don¹t know whether we¹ll be printing the Times in five years, and you know what? I don¹t care either«.

Falk Lüke

Redakteur, Zeit.de