Jetzt anmelden!
23.-25.03.2010, Hamburg
Social Media FORUM

Social Media FORUM

Fallbeispiel: Erfolgsfaktoren von nutzergenerierten Stadtmagazine und Online-Portalen am Beispiel von MyHeimat.de

Dr. Matthias Möller, Gesellschafter, gogol medien Gmbh & Co. KG
2007-09-20: 12:00 - 12:30

Interview mit Referenten

1) Hr Dr. Möller, Sie werden beim Social Media FORUM das Konzept von MyHeimat.de, einem Bürger-Journalismus-Portal im Bereich der mikro-regionalen Inhalte vorstellen. Welche drei Stichworte charakterisieren Ihr Konzept am besten?

Bürgerjournalismus, Community-to-Print, Mikroregional

2) Wie wichtig ist die Community für Ihr Konzept? Und wie konnten Sie diese aufbauen?

Die Community ist essentieller Bestandteil der Geschäftsidee. Städte in der Größe von 10-30 Tausend Einwohnern bilden eine sehr starke Gemeinschaft/Community. Die Inhalte dieser wird online und im Print abgebildet. Die Community erstellt die Inhalte für die Magazine, veredelt die diese und wählt die besten Beiträge für die gedruckte Ausgabe aus. Der Aufbau der Community erfolgt in einem vielfältigen Mix an Marketingmaßnahmen. U.A. die direkte Ansprache von Mulitplikatoren, das monatliche Printmagazin als zentrales Marketinginstrument (und Anreiz) zur Gewinnung neuer Nutzer und auch virale Effekte durch die bestehende Nutzerbasis.

3) Lässt sich Ihre Community irgendwie charakterisieren? Erreichen Sie bestimmte demografischen Schichten bzw. Gruppierungen anderer Merkmale?

Wir sprechen vornehmlich die aktive und kreative Schicht an Menschen eines Ortes an. Menschen, die etwas zu sagen haben, die als Multiplikatoren fungieren, die in Vereinen oder Initiativen aktiv sind, die sich engagieren, interessieren und sich austauschen wollen. Demografisch lässt sich feststellen, das wir einen schwerpunkt von Menschen zwischen 30 und 60 haben, aber auch "Ausreißer" nach oben und unten. Unterschiede bei den Geschlechtern bestehen keine signifikanten.

4) Wie hoch ist Ihre Inaktivitätsquote (sprich Community-Mitglieder, die nicht mehr wirklich aktiv sind)? Was machen Sie gegen diese Erscheinung?

Der Aktivitätsindex ist ungefähr so: Es gibt eine kleine Gruppe an hochaktiven (2-15 Beiträge pro Woche). Danach folgt eine Gruppe, die eher auf monatsbasis beitragen. Diese nutzen die community anlassbezogen (bsp wenn ihr verein aufgestiegen ist, und sie darüber berichten wollen). Und es gibt auch eine rein komsumierende schicht an nutzern, die (bisher) nicht beigetragen haben. (zahlen kann ich im moment nicht zugreifen, da ich nicht im office bin. Wenn dringend kann ich sie morgen generieren lassen). Wir versenden im Wochentakt newsletter an die community, die zum beitragen auffordern, informieren, dass eine neue ausgabe erschienen ist, die auf usertreffen hinweisen, etc. genauso gehen empfehlungen raus, wenn ein kontakt einen neuen beitrag geschrieben hat. Dadurch werden nutzer immer wieder aktiviert.

5) Bürger-Journalismus-Projekten wirft man gerne den Vorwurf der Ausbeutung der Nutzer (gemäß dem beflügelten Wort von Andreas Wiegend: AAL (Andere Arbeiten Lassen) - Konzept) vor. Wie begegnen Sie diesem Punkt?

Wir bewegen uns in einem Segment (Kleinstädte von 10-ca. 30 Tausend Einwohner), in denen ein solches Magazin mit hochwertigen Inhalten auf klassisch redaktionelle Weise nicht mehr zu betriebswirtschaftlichen Kosten verlegbar wäre (Nicht umsonst gibt es in den meisten Orten, in die wir gehen keine zufriedenstellende Medienlandschaft). Wir verdrängen also idR keine Wettbewerber, bzw ersetzen wir auch intern keine Redakteure durch Nutzerbeiträge. Durch den Ansatz des Bürgerjournalismus können wir für einen Markt (im Longtail), der vorher nicht bedienbar war ein Medienprodukt schaffen, das bei Lesern, Schreibenden und Anzeigenkunden auf eine hohe Nachfrage stößt. Zudem machen wir überall auf unserer Seite und in unserer Kommunikation transparent, was wir warum machen. Die beteiligten Personen und Institutionen haben zudem meist einen großen Mehrwert durch die kostenlose Verbreitung Ihrer Informationen. Insgesamt schafft man für alle Stakeholder einen Mehrwert durch dieses Konzept.

Dr. Matthias Möller

Gesellschafter, gogol medien Gmbh & Co. KG

Matthias Möller ist Gesellschafter und Produkt- und Marketingleiter von

myheimat.de. Auf der Publishing Plattform myheimat werden nutzergenerierte

Inhalte mikroregionaler Communities zu Printmedien veredelt. Er hat an der

LMU München und der MIT Sloan School of Management Betriebswirtschaft

studiert und ist seit 1996 unternehmerisch im Bereich Medien und Marketing

tätig. Während der Promotion im Bereich User-Innovation hat er das Center

for Digital Technology & Management mit aufgebaut, das jetzt Teil des

Elitenetzwerk Bayern ist.